Was bedeutet der Lichtschutzfaktor wirklich?
LSF 50 klingt nach doppeltem Schutz wie LSF 25 – aber das stimmt nicht. Carina Horst erklärt die SPF-Mathematik verständlich, warum LSF 100 nur marginal besser als LSF 50 ist und welchen Wert Sie wirklich brauchen.
LSF 30, LSF 50, LSF 50+ – diese Zahlen begegnen uns auf jeder Sonnencreme. Aber was bedeuten sie eigentlich? Die meisten Menschen ahnen, dass eine höhere Zahl besser schützt. Aber wie viel besser? Und ist LSF 100 wirklich doppelt so gut wie LSF 50? Als Dermalogica-zertifizierte Hautexpertin und Inhaberin von Beauty and More in Hamburg-Schnelsen erkläre ich diese Zusammenhänge regelmäßig meinen Kundinnen – denn viele Missverständnisse über Sonnenschutz hängen direkt mit einem falschen Verständnis des Lichtschutzfaktors zusammen.
Was misst der Lichtschutzfaktor genau?
Der LSF (oder SPF – Sun Protection Factor) gibt an, um wieviel länger du dich in der Sonne aufhalten kannst, bevor die Haut anfängt zu röten. Das Prinzip: Wenn deine ungeschützte Haut nach 10 Minuten beginnt zu brennen, kannst du mit LSF 30 theoretisch 300 Minuten (30 × 10 Min.) draußen bleiben. Wichtig: Das ist unter Laborbedingungen mit der exakt richtigen Menge Sonnencreme gemessen. In der Praxis trägt man weniger auf, schwitzt, schwimmt – der reale Schutz ist immer niedriger.
Die SPF-Mathematik: Wie viel UV wird wirklich geblockt?
| LSF/SPF | UVB-Transmission (durch) | UVB-Absorption (blockiert) | Verhältnis zu LSF 30 |
|---|---|---|---|
| 15 | 6,7% | 93,3% | Basis |
| 30 | 3,3% | 96,7% | Halbierte Transmission |
| 50 | 2,0% | 98,0% | Noch 1/3 weniger als LSF 30 |
| 50+ | 1,7% | 98,3% | Marginaler Vorteil |
| 100 | 1,0% | 99,0% | Minimaler Vorteil ggü. LSF 50 |
Diese Zahlen zeigen: Der Sprung von LSF 15 auf LSF 30 ist enorm – die UVB-Transmission halbiert sich. Der Sprung von LSF 50 auf LSF 100 ist dagegen kaum messbar. Wer konsequent LSF 50 aufträgt, ist damit nahezu optimal geschützt. Das teuerste LSF-100-Produkt schützt in der Praxis kaum besser als ein korrekt angewendetes LSF-50-Produkt.
Wie wird der LSF gemessen?
Der LSF wird in standardisierten Tests gemessen: 20 Probanden erhalten das Produkt auf einem definierten Hautareal (exakt 2 mg/cm²). Eine UV-Lampe bestrahlt die Haut, und die minimale Erythemdosis (MED) – die UV-Dosis, bei der die Haut gerade eben anfängt zu röten – wird bestimmt. Das Verhältnis der MED mit Sonnencreme zur MED ohne Sonnencreme ergibt den LSF. Das Problem: Unter realen Bedingungen trägt niemand exakt 2 mg/cm² auf – der reale Schutz ist daher immer geringer als der deklarierte LSF.
Welcher LSF für wen?
- LSF 15–20: Für täglichen Schutz bei Fitzpatrick-Typ IV–VI und minimalem Sonnenkontakt (Büroarbeit)
- LSF 30: Täglicher Standard für die meisten Menschen bei normalem Alltag (Autofahren, kurze Spaziergänge)
- LSF 50: Empfohlen für alle mit heller Haut (Typ I–III), für Kinder, bei Outdoor-Aktivitäten, am Wasser
- LSF 50+: Fitzpatrick Typ I (sehr hell, immer Sonnenbrand), nach Peelings oder Laserbehandlungen, im Hochgebirge oder bei sehr intensiver Sonnenexposition
- LSF 100: Marketing, kaum relevanter Mehrwert gegenüber LSF 50 bei korrekter Anwendung
LSF und UVA: Das große Missverständnis
Der LSF bezieht sich ausschließlich auf UVB-Schutz. UVA-Strahlung – die für Hautalterung und erhöhtes Hautkrebsrisiko mitverantwortlich ist – wird durch den LSF-Wert nicht abgedeckt. Deswegen ist das UVA-Kreis-Symbol auf der Verpackung so entscheidend. Es zeigt an, dass auch UVA-Schutz vorhanden ist und dass dieser mindestens 1/3 des UVB-Schutzes beträgt (EU-Standard). Eine Sonnencreme mit LSF 50 ohne UVA-Schutz kann Sonnenbrand verhindern, lässt aber UV-Hautalterung weitgehend ungehindert.
Sonnenschutz-Faustregeln für den Alltag
- 1Tägliche Anwendung ist wichtiger als hoher LSF: LSF 30 täglich schützt besser als LSF 100 nur am Strand
- 2Prüfen Sie immer das UVA-Symbol – es ist genauso wichtig wie der LSF-Wert
- 3Menge ist entscheidend: Die halbe Menge halbiert nicht den Schutz – sie reduziert ihn viel stärker
- 4Nachcremen ist Pflicht: Alle 2 Stunden bei intensiver Sonnenexposition
- 5Die beste Sonnencreme ist die, die man täglich und in ausreichender Menge trägt
- 6Textur und Anwendungskomfort sind wichtig: Ein LSF 50, das sich schlecht anfühlt, wird nicht konsequent genutzt
LSF und Lichtempfindlichkeit durch Medikamente
Viele Medikamente erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut erheblich – das nennt sich Phototoxizität oder Photoallergie. Betroffene Medikamentengruppen: Tetracyclin-Antibiotika, Fluorchinolone, bestimmte Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid), NSAIDs (Ibuprofen in hoher Dosis), Johanniskraut-Extrakte, Retinoide (auch topisch), bestimmte Antidepressiva. Wer eines dieser Medikamente einnimmt, sollte unbedingt seinen Arzt nach Lichtschutzbedarf fragen – oft ist LSF 50+ und das Meiden intensiver Sonne während der Einnahme nötig.
Wichtig: Ein hoher LSF verleitet zu längerem Aufenthalt in der Sonne – das kann trügerisch sein. LSF 50 verlängert die theoretische Schutzzeit, aber es gibt immer noch eine maximale Tagesexposition. Auch mit LSF 100 ist ein ganzer Tag Mittagssonne ohne Schatten und ohne Nachcremen nicht ohne Risiko.
Schützt ein höherer LSF auch besser gegen Photoaging?
Nur indirekt – ein höherer LSF bedeutet mehr UVB-Schutz, aber für Photoaging ist UVA entscheidend. Ein LSF 30 mit starkem UVA-Schutz kann besser gegen Hautalterung schützen als ein LSF 100 ohne UVA-Abdeckung.
Warum gibt es in der EU keinen LSF über 50+?
Die EU limitiert die LSF-Angabe auf 50+ als Maximum. Der Grund: Über LSF 50 sind die Unterschiede so marginal, dass höhere Zahlen nur das Gefühl von Sicherheit erzeugen, ohne relevante Mehrwirkung. In anderen Ländern (z.B. USA, Japan) sind höhere LSF-Angaben erlaubt.
Ist ein höherer LSF für alle Hauttypen sinnvoll?
LSF 50 ist für fast alle Menschen in intensiver Sonnensituation sinnvoll. Typ IV–VI können mit LSF 30 oft gut auskommen, wenn sie die Menge korrekt auftragen. Entscheidend ist konsequente tägliche Anwendung, unabhängig vom LSF-Wert.
Schützt LSF 50 auch an bewölkten Tagen?
Ja. Wolken filtern nur 20–40% der UV-Strahlung. An bedeckten Tagen sind immer noch 60–80% der UV-Strahlen vorhanden. Sonnenschutz ist auch an bewölkten Tagen sinnvoll.
Carina empfiehlt: Schau beim nächsten Sonnencreme-Kauf immer auf zwei Dinge: den LSF-Wert (mindestens 30, lieber 50) und das UVA-Kreis-Symbol. Beides zusammen ist die Grundlage für echten Sonnenschutz. Die Dermalogica-Sonnenpflegeprodukte, die ich in meinem Studio in Hamburg-Schnelsen führe, erfüllen selbstverständlich beide Kriterien.
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